Gastherme zündet nicht.
Die Gastherme startet, aber es entsteht kein Zündfunke – oder sie zündet, doch die Flamme bildet sich nicht und das Gerät geht auf Störung. Das passiert oft plötzlich nach einer Nachtabsenkung, nach Wartungsrückstand oder nach Arbeiten an Heizung/Gas. Mit ein paar sicheren Checks lässt sich eingrenzen, ob es ein Bedien- oder ein echter Gerätefehler ist.
KURZANTWORT
Am häufigsten fehlen Gasfreigabe/Versorgung oder der Fließdruck der Anlage ist zu niedrig, sodass die Therme den Start abbricht. Prüfe zuerst, ob der Gashahn offen ist und der Anlagendruck kalt meist bei ca. 1,0–1,8 bar liegt (Herstellerangabe beachten). Danach einmal resetten (nur 1x) und beobachten, ob Zündversuch und Flammenbildung erfolgen.
Mögliche Ursachen
Ist der Gerätehahn oder der Hauptgashahn geschlossen, bekommt das Gasventil keine ausreichende Versorgung – dann gibt es zwar Zündversuche, aber keine Flamme. Auch ein Gaszählerregler, der wegen Unter- oder Überdruck sperrt, kann das Symptom auslösen. Häufig nach Umzügen, Arbeiten am Zähler oder versehentlichem Verstellen.
Viele Geräte blockieren den Brennerstart, wenn der Wasserdruck im Heizkreis zu niedrig ist oder die Umwälzung nicht sicher ist. Nach Entlüftung, Reparaturen oder schleichendem Wasserverlust sinkt der Druck und die Therme geht auf Störung. Teilweise zündet sie kurz und bricht wegen Temperatur-/Durchflussüberwachung ab.
Bei „kein Zündfunke“ sind häufig Elektrodenabstand, Keramikisolator oder Leitungen betroffen; bei „zündet, aber keine Flamme bleibt“ ist oft die Ionisationserkennung gestört. Verschmutzung, Korrosion oder falscher Abstand führen dazu, dass der Funke ausbleibt oder die Flamme nicht erkannt wird. Typisch bei langer Wartungsintervalle oder nach Kondensat-/Feuchteeintrag.
Wenn das Gasventil nicht öffnet (Spule/Ansteuerung) oder der Brennerdruck nicht passt, kommt trotz Zündfunken keine stabile Flamme zustande. Ursache können defekte Magnetspulen, Kontaktprobleme oder eine fehlerhafte Gaseinstellung sein. Das ist ein klassischer Fall für Messung von Einlass-/Brennerdruck und CO/CO2-Abgasanalyse.
Moderne Thermen starten nur, wenn Ventilator und Luftdruckwächter (Differenzdruck) plausibel melden. Verstopfte Ansaugung/Abgasführung, klemmender Lüfter oder ein gefüllter Kondensatsiphon können den Start verhindern oder nach kurzer Zündung abbrechen. Häufig nach Frost, Vogelnest/Laub oder bei verschmutztem Siphon.
Bleibt der Hochspannungsimpuls aus, sind Zündtrafo, Verkabelung oder die Ansteuerung auf der Platine verdächtig. Kontaktprobleme an Steckern, Feuchtigkeit oder gealterte Bauteile verursachen sporadische oder komplette Zündausfälle. Diagnose erfolgt über Sichtprüfung, Funkenprüfung nach Herstellervorgabe und elektrische Messungen.
Defekte/abweichende Fühler (NTC), Überhitzungsthermostat oder Wassermangelsicherung verhindern die Freigabe des Brenners oder brechen den Start ab. Typisch sind Störungen direkt nach Start oder bei Warmwasseranforderung. Ohne Messwerte ist das von außen kaum sicher zu unterscheiden.
Das können Sie selbst prüfen
- Gasversorgung prüfen: Gerätegashahn (meist gelber Hebel) und ggf. Hauptabsperrhahn müssen offen sein. Bei Unsicherheit nicht herumprobieren, sondern Fachbetrieb.
- Anlagendruck am Manometer ablesen (kalt): häufig ca. 1,0–1,8 bar je nach Gebäudehöhe. Bei deutlich weniger: nicht weiter „starten“, sondern nach Herstellervorgabe nachfüllen lassen bzw. Betreiberanleitung beachten.
- Heizkörper entlüften nur, wenn du den Vorgang kennst; danach Druck erneut prüfen. Sinkt der Druck immer wieder: nicht weiter betreiben, Leck/defektes Ausdehnungsgefäß möglich.
- Einmaliger Reset: Störung quittieren/Reset 1x ausführen und beobachten, ob Zündversuch kommt (Geräusch Ventilator/Klicks). Mehrfaches Reset kann Gas im Gerät/Abgasweg riskant machen.
- Raumthermostat/Regler prüfen: Heizbetrieb aktiv, Solltemperatur höher als Ist, Zeitprogramm nicht auf „Aus/Urlaub“. Warmwasseranforderung testweise aktivieren, wenn vorhanden.
- Stromversorgung prüfen: Sicherung/Schalter an der Therme, keine gelöste Steckverbindung. Keine Gehäuse öffnen, keine internen Arbeiten.
- Abgas/Ansaugung von außen sichtbar prüfen (nur zugänglich, ohne Demontage): nichts abdecken, keine offensichtliche Blockade (Laub/Schnee).
So prüft der Techniker
Profi-Diagnose in sinnvoller Reihenfolge — nur für Fachpersonal.
- 1.Sicht- und Basisprüfung: Fehlerhistorie/Status, Abgasführung/Ansaugung, Kondensatsiphon (Füllstand/Verstopfung), Steckverbinder, Erdung/PE, Wasserstand/Anlagendruck, Lecksuche im Heizkreis (optisch).
- 2.Gasweg prüfen: Absperrorgane, Gasströmungswächter (falls vorhanden), Fließdruck am Messstutzen unter Last prüfen; typ. Netzdruck je nach Region/Anlage, Reglerfunktion beurteilen. Dichtheits-/Gebrauchsfähigkeitsprüfung nach TRGI bei Verdacht.
- 3.Zündstrecke prüfen: Zündelektrode/Ionisationselektrode Zustand, Abstand nach Herstellermaß, Risse in Keramik, korrekter Sitz; Hochspannungsleitung auf Überschlagspuren. Funkenbildung prüfen (nach Herstellervorgabe, sicherer Aufbau).
- 4.Ionisationsstrom messen: Flammenüberwachung bei stabiler Flamme typ. im µA-Bereich (herstellerspezifisch, oft ca. 2–8 µA). Bei zu niedrig: Elektrode reinigen/ersetzen, Brennerbild/Gaseinstellung prüfen, Erdung/Polung kontrollieren.
- 5.Gebläse/Luftdruckwächter: Anlauf, Drehzahlrückmeldung (falls vorhanden), Differenzdruck/Schaltpunkt prüfen, Venturi/Schläuche auf Risse/Kondensat. Abgasweg auf Teilverstopfung und Kondensatstau prüfen.
- 6.Gasarmatur und Ansteuerung: Spulenspannung/Ansteuerung während Zündsequenz messen (VAC/VDC je nach Gerät), Widerstand der Spulen, Ventilfunktion; ggf. Stellgliedtest im Servicemenü.
- 7.Hydraulik/Temperaturüberwachung: Pumpenlauf, Durchfluss/Temperaturspreizung, NTC-Widerstände plausibilisieren (Vergleich mit Kennlinie), STB/Wassermangelsicherung prüfen, ggf. Entlüftung und MAG-Vordruck prüfen.
- 8.Abschluss: Verbrennung einstellen und dokumentieren (CO2/O2/CO, Abgastemperatur), Dichtheit/Abgaswerte nach Vorgabe, Probebetrieb in Heiz- und WW-Betrieb, Fehlerspeicher löschen und Ursache dokumentieren.
Wann zum Fachbetrieb?
Bei Gasgeruch, Abgasgeruch, Rußspuren, wiederholten Fehlstarts oder wenn die Therme nach Reset sofort wieder in Störung geht: Gerät ausschalten, Gaszufuhr nur bei Gasgeruch schließen, Raum lüften und Fachbetrieb/Notdienst rufen. Auch bei Verdacht auf Abgasproblem (Kopfschmerzen/Übelkeit) ist sofort zu handeln: verlassen, lüften, Hilfe holen. Arbeiten an Gasarmatur, Zündsystem, Abgasführung und Elektronik gehören grundsätzlich in Fachhand.
Was kostet das?
Typisch: Anfahrt/Diagnose 120–250 €. Reinigung/Elektrodenwechsel oft 150–350 €, Gasarmatur oder Platine je nach Gerät häufig 300–900 € inkl. Einbau und Einstellung.
Fehlercode im Display?
Typisch sind Fehlercode-Familien rund um Zündung/Flamme/Gasfreigabe und Luft-/Abgasüberwachung: z.B. Vaillant häufig F.28/F.29 (Zündung/Flammenverlust), teils F.75 (Startprobleme/ Druck-/Durchflussbezug je nach Gerät), Viessmann oft F4/F5 (Flammenbildung/Überwachung), Junkers/Bosch häufig EA/FA sowie Störungen zum Luftdruckwächter/Abgasweg je nach Baureihe.
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Häufige Fragen
Q:Was bedeutet „Zündfunke da, aber keine Flamme“?
Dann wird meist kein Gas freigegeben oder der Gasdruck reicht unter Last nicht aus – alternativ stimmt die Luft-/Abgasführung oder die Flamme wird nicht sicher erkannt. Prüfe als Betreiber nur, ob der Gashahn offen ist und ob eine Störung angezeigt wird. Für Druckmessung, Gaseinstellung und Ionisationsmessung muss der Fachbetrieb ran.
Q:Was kann ich tun, wenn gar kein Zündfunke zu sehen/zu hören ist?
Sicher prüfen kannst du Stromversorgung, Sicherung/Schalter und einen einmaligen Reset. Bleibt der Zündversuch komplett aus, steckt häufig eine Freigabebedingung (Druck, Luftdruckwächter) oder ein Defekt an Zündtrafo/Elektronik dahinter. Bitte nicht am offenen Gerät „Funken suchen“.
Q:Hilft mehrfaches Reset drücken, bis sie wieder läuft?
Nein. Mehrfaches Reset kann zu wiederholten Fehlstarts führen und ist sicherheitstechnisch unerwünscht, weil Gas-/Abgasbedingungen nicht geklärt sind. Einmal resetten ist okay; tritt der Fehler erneut auf, Ursache beheben lassen.
Q:Welche Rolle spielt der Wasserdruck, wenn es um Zündung geht?
Viele Thermen starten den Brenner nur bei ausreichendem Systemdruck und gesicherter Umwälzung. Ist der Druck zu niedrig, wird der Start gesperrt oder nach kurzer Zündung abgebrochen, um Überhitzung zu verhindern. Kaltwert am Gerät prüfen und nur nach Anleitung nachfüllen lassen.
Q:Warum tritt der Fehler häufig nach der Sommerpause oder nach Wartungsstau auf?
Nach Standzeit können Elektroden verschmutzen, Kondensatsiphone austrocknen/verschlammen oder Lüfter/Luftdruckwächter schwergängig werden. Außerdem fallen schwache Bauteile (Zündtrafo, Platine) beim ersten Startversuch eher auf. Regelmäßige Wartung reduziert genau diese Zünd- und Flammenbildungsstörungen.
VERWANDTE RATGEBER
Arbeiten an Gas-, Öl- und Elektroinstallationen dürfen nur durch qualifiziertes Fachpersonal durchgeführt werden. Alle Angaben ohne Gewähr.